Erhöhte Brandgefahr in Gebäuden mit Hochwasserschäden
Vom Hochwasser oder Überflutungen durch Starkregen betroffene Elektroinstallationen, Heizungsanlagen und Elektrogeräte sind brandgefährlich. BVS-Direktor Eisenbeiss: Schäden müssen von befugten Fachleuten beurteilt und gegebenenfalls behoben werden. Defekte Anlagen und Geräte sollten keinesfalls ungeprüft wieder in Betrieb genommen werden!
Auf den ersten Blick wirkt es paradox: Gebäude, die noch vor wenigen Tagen vom Hochwasser betroffen waren, unterliegen nun einer erhöhten Brandgefahr. Obwohl nämlich Brände mit Wasser gelöscht werden, kann Wasser – egal, ob es verunreinigt ist oder nicht – auch Brände auslösen. Denn Feuchtigkeit und aufgetrocknete, ursprünglich mit dem Wasser transportierte Sedimente erhöhen die Leitfähigkeit elektrischer Isolierstoffe. Diese werden durch die Feuchtigkeitseinwirkung elektrisch leitend und der dadurch mögliche Fehlerstromfluss, auch als „Kriechstrom“ bezeichnet, kann zur Ausbildung nicht gewünschter leitfähiger Bahnen sowie in weiterer Folge zu Lichtbogenüberschlägen führen. Auch Beschädigungen an elektrischen Anlagen im Zuge der Aufräumungsarbeiten sind möglich. Brennbare Gegenstände und Materialien, die sich in unmittelbarer Nähe befinden, können dadurch in Brand gesetzt werden.
„Um Folgeschäden, Personen- oder Sachschäden zu vermeiden, sollte eine Wiederinbetriebnahme nur nach einer von befugten Fachleuten durchgeführten Überprüfung vorgenommen werden“, rät Dr. Arthur Eisenbeiss, Direktor der BVS-Brandverhütungsstelle für Oberösterreich (BVS). Das gelte aber nicht nur für die elektrische Anlage und für Elektrogeräte, sondern auch für die Heizungsanlage und für Gasheizgeräte. Auch hier können durch das Wasser bzw. die Feuchtigkeit verursachte Schäden die Brandgefahr erhöhen oder zur Personengefährdung führen. Deshalb sei laut Eisenbeiss auch hier eine Überprüfung durch befugtes Fachpersonal vor der Wiederinbetriebnahme unerlässlich.
Um sowohl die Brandgefahr als auch die Personengefährdung zu minimieren, rät BVS-Direktor Dr. Arthur Eisenbeiss zur Einhaltung folgender Punkt für die Inbetriebnahme der Elektroinstallation nach dem Hochwasser oder Überflutungen nach Starkregen:
• Die Hauptverteilung und Stromkreisverteiler müssen von Schmutz und Feuchtigkeit befreit werden. Die Klemmverbindungen sind zu überprüfen.
• Alle Steckdosen, Schalter und Abzweigkästen öffnen, Schmutz und Feuchtigkeit entfernen und auf Funktion überprüfen.
• Die Überprüfung, Reparatur und Inbetriebnahme ist von einer ausgebildeten bzw. befugten Fachkraft auszuführen.
• Durchnässte Leitungsschutz- und Fehlerstrom-Schutzschalter müssen unbedingt überprüft werden, ob die Funktion noch gewährleistet ist.
• Elektrogeräte müssen gereinigt, entfeuchtet und vom Fachmann überprüft werden.
• Die elektrische Anlage sollte Schritt für Schritt (raum- oder stockwerkweise) wieder eingeschaltet und in Betrieb genommen werden.
• Der E-Check der Elektrotechniker beinhaltet alle relevanten Überprüfungen der Elektroinstallationsanlage
Bei den Instandsetzungsmaßnahmen sollte auch der „Hochwasserschutz“ der Elektroinstallation berücksichtigt werden:
• Der Hausanschlusskasten und der Hauptverteiler sollten mindestens einen halben Meter über der Hochwasserlinie liegen. In der Regel sollten diese Anschlüsse im 2. Stock positioniert werden.
• Getrennte Unterverteilungen für die einzelnen Geschosse mit den jeweiligen Stromkreisen sind vorzusehen.
• Überwachung der hochwassergefährdeten Anlagenteile mit einem separaten Fehlerstromschutzschalter.
