Oö: Rette- und Berge-Spreng-Übung in Abbruchobjekt in Alkoven

ALKOVEN (OÖ): Dass die Feuerwehr auch mit einer Sprengung in Verbindung steht, ist vielen wohl nicht bekannt, wenngleich dieser Dienst auch inzwischen eine Rarität ist. Aber der Sprengstützpunkt des Bezirkes Eferding und somit auch Sprengbefugte von der Feuerwehr Alkoven hatten am Samstagnachmittag, 5. September 2020, in Hartheim eine Übungsgelegenheit.

Dass Feuerwehren auch einen Sprengdienst führen ist vielen vermutlich nicht bekannt. Es ist aber auch nicht unbedingt abwegig, da dieser Sonderdienst inzwischen recht selten geworden ist. Er stammt aus den 1970er Jahren. Zahlreiche Eisstaus im Land führten zu Überflutungen. Um diese zu beseitigen, wurden damals die verkeilten Eisstollen gesprengt und so wieder ein geregelter Abfluss des Wasser gewährleistet und die lokale Überflutungsgefahr beseitigt.

Das (noch) vorhandene, zweite Kellergeschoß konnte für die Übung herangezogen werden.

Alleine schon aufgrund des heute selten auftretenden Phänomens rückte der Sprengdienst dann doch zunehmend in den Hintergrund, wenngleich er über Stützpunkte quer durch Oberösterreich nach wie vor aufrecht ist. Geübt wird dieser Dienst neben Leistungsprüfungen auch bei Sprengungen von abzubrechenden Gebäuden, Schornsteinen oder bei absturzgefährdetem Gestein im Gelände.

Rette- und Bergesprengung geübt

Seitens der Feuerwehr Alkoven waren am Samstag, dem 5. September 2020, drei Sprengbefugte bei einer wohl nun wirklich letzten Übung im Abbruchteil im Institut Hartheim zu Gast, um diesen Sonderdienst gemeinsam mit weiteren Feuerwehr-Sprengbefugten aus dem Bezirk Eferding zu trainieren. Entgegen der Erwartungen der angrenzenden Bewohner ging es hier jedoch nicht um spektakuläre Hauseinsturz-Sprengungen, sondern um von außen nur hörbare Rette- und Bergesprengungen. Diese stammen eigentlich aus dem Bereich des Militärs, wo es darum geht, hinter eingestürzten Mauern Personen zu Rette- und Bergezwecke freizusprengen. Das heißt, die betreffende Mauer wird nur angesprengt, so dass das dadurch gelockerte Wandmaterial dann nur mehr herausgebrochen werden muss und so Zugang zur betreffenden Person geschaffen werden kann. Eine wohl selten bis kaum angewandte Technik, für Übungszwecke kam sie aber durchaus gerade Recht.

Beurteilen, Berechnen, Prüfen

In erster Linie gilt es, das bestehende Mauermaterial soweit zu beurteilen, um in weiterer Folge anhand einer Tabelle das benötigte Sprengmaterial bzw. die erforderliche Menge berechnen zu können. Dabei soll es in der Praxis weder zu wenig sein (da die Mauer dann ja noch stehen würde), aber auch nicht zu viel, denn die Person dahinter sollte im Lebendfall den Status des Lebens durch die Sprengung nicht verlieren.

In weiterer Folge wird das gelatinöse Sprengmittel – das für sich alleine ohne dem Zünder harmlos ist und (siehe Foto) auch angezündet werden kann, ohne dass etwas passiert – entsprechend abgewogen. Die Zünder werden entsprechend geprüft und die Widerstände entsprechend notiert, was vor der Zündung nochmals zur rechnerischen Überprüfung dienlich ist, dass soweit das eingesetzte Material in Ordnung ist.

Lehm und testweise Brunnenschaum

Bei jeder zu sprengenden Wand werden pro Sprengort zuvor ein „Fünfer“ markiert (also Markierungen wie bei einem Würfelspiel Fünfer). Nach einer entsprechenden Befeuchtung mit Wasser wird der „Fünfer“ mit zuerst nach Befeuchtung mit dem Sprengstoff versehen, der dann mit dem Lehm abgedeckt wird. Im Anschluss erfolgt die Anbringung der Zünder in dem Gemenge. Der Lehm dient hier mehr oder weniger als Puffer nach hinten, um die Sprengwirkung nicht in die falsche Richtung zu lenken.

Da Lehm jedoch für Privatpersonen schon recht schwierig erhältlich ist, wurde bei dieser Sprengung auch der Versuch unternommen, bei einer gewünschten Mauerdurchbruchstelle anstelle des Lehms einfachen Brunnenschaum zu verwenden.

Drei Sprengstoff-Dosierungen

Für die Übung – die sich im Prinzip darauf konzentrierte, den Umgang und das Berechnen wieder zu trainieren – waren drei Rette- und Bergesprengungen vorgesehen. Eine vierte war schließlich der Versuch mit dem Brunnenschaum. Bei den drei regulären Öffnungen wurde zudem bei einer Öffnung die laut Tabelle exakt benötigte Menge verwendet. Jeweils auf einer Seite daneben verwendete man etwas weniger bzw. etwas mehr als die vorgesehene Menge, um die Unterschiede in der Wirkung aufzuzeigen.

Einen lauten Knall später

Nach der kurzfristigen Straßensperre und der Abgabe des entsprechenden Signaltöne zur Warnung bzw. Sperre des Sprengsicherheitsbereiches gab’s einen kurzen, nicht gerade kleinen Knall und es war Zeit, die Qualität der Arbeit zu begutachten.

Interessant dabei war, dass abgesehen von der überdosierten Stelle, auch die Stelle, die mit der „Soll-Menge“ versehen war, einen stärkeren „Wandwurf“ verzeichnete und sich eigentlich die unterdosierte Menge als zielführendsten herausgestellt hat. Aber bekanntlich lässt sich durch eine Wand im Vorfeld nicht durchsehen. Wohl auch einer der Gründe, warum diese Methodik auch in Erdbebengebieten nicht unbedingt die Nummer 1 der Rettungs- und Bergewege darstellt …

Der Brunnenschaum-Versuch ging übrigens in die Hose. Sprengwirkung wurde fast keine erwirkt, da die meiste Kraft der Sprengung nach hinten losgegangen ist.

Gute Gelegenheit

Für die beteiligten Kräfte war es jedoch wieder einmal eine gute Gelegenheit, den selten gewordenen Sonderbereich im Feuerwehrdienst zu beüben. Neben Bezirks-Feuerwehrkommandant Thomas Pichler war auch dessen Stellvertreter Hubert Straßer an diesem Nachmittag zu Gast in Hartheim.

Freiw. Feuerwehr Alkoven

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