Der Klimawandel kam im Juni 2021 endgültig in Österreich an

Kein Thema beherrscht Diskussionen derart wie der Klimawandel. Meistens werden bei diesem Thema die Diskussionen jedoch leider nicht objektiv, sondern gefühlsmäßig geführt. Auf der einen Seite befinden sich die als Ökofreaks verspotteten Mahner und auf der anderen Seite die sogenannten Klimaleugner. Letztere sehen in all den von der ersteren Gruppe geforderten Maßnahmen lediglich Verbote, welche ihr Leben negativ beeinflussen. Was soll noch alles kommen?

Dürfen wir demnächst nicht einmal mehr Novoline gratis spielen? Vielleicht trägt zu dieser besonders aufgeheizten Stimmung auch bei, wer die Gruppe der Klimamahner vertritt. Dabei handelt es sich meistens um junge Menschen, welche unter anderem weltweit durch Schulstreiks auf das Thema Klimawandel aufmerksam machen.

Nur auf eine Gruppe wird bei all der Emotionalität leider viel zu selten gehört. Forscher, Wissenschaftler und Wetterexperten sagen bereits seit Jahren voraus, was nach und nach eintritt. Der Klimawandel hat längst eingesetzt und die Folgen können wir nicht mehr nur anhand von Bildern im Fernsehen an Orten irgendwo am anderen Ende der Welt sehen, sondern bekommen sie mittlerweile hier bei uns in Österreich zu spüren. Damit meinen wir in erster Linie Betroffene sowie unsere Einsatzkräfte der Feuerwehr, Polizei, dem Rettungsdienst etc. Vor allem die Ereignisse im Juni 2021 dürften einigen Menschen die Augen geöffnet haben, dass wir alle sofort handeln müssen. Andernfalls könnten die schweren Stürme, der Hagel und die schmelzenden österreichischen Gletscher lediglich ein kleiner Vorgeschmack darauf sein, was uns schon bald erwartet.

Wetterextreme in noch nie da gewesener Form im Juni

Die Bilder, welche uns Ende Juni von unseren Nachbarn aus Tschechien erreichten, sorgten in ganz Österreich für Entsetzen. Hierbei handelte es sich nicht etwa um Ereignisse aus einem der Novoline Spiele. Ein Tornado, wie man ihn eigentlich nur aus Gegenden wie etwa Oklahoma oder Colorado in den USA kennt, fegte über den Südosten Tschechiens hinweg. Dieser Tornado löste sich erst wenige Kilometer vor der Grenze zu Österreich und der Slowakei auf und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Es soll mehrere Tote und bis zu 1.000 Verletzte gegeben haben. Ganze Dörfer wurden vom Wirbelsturm wortwörtlich dem Erdboden gleichgemacht.

Auch Österreich wurde in der vorletzten Juniwoche von schweren Stürmen heimgesucht. Als Österreicher ist man sicherlich einiges gewohnt, aber dass im Juni Schneepflüge die Straßen räumen, ist selbst hierzulande ein noch nie da gewesenes Extrem. Hagelkörner von der Größe von Golfbällen und Eiern verwandelten die Straßen Österreichs in eine Eislandschaft. Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte waren praktisch pausenlos im Einsatz, vor allem in Oberösterreich, in Salzburg sowie im benachbarten Bayern in Deutschland kam es zu unwirklichen Szenen.

Stürme kehren in den letzten Junitagen noch stärker zurück

Eine Atempause gab es für die Rettungskräfte jedoch nicht, denn was sie am Dienstag, den 22. Juni, zu sehen bekamen, sollte sich im Laufe der gesamten Woche wiederholen. An jenem Tag waren insgesamt 229 Feuerwehren mit 2.300 Einsatzkräften ausgerückt und verzeichneten dabei ganze 440 Einsätze! Am Mittwoch bildeten sich erneut schwere Stürme am Himmel über Österreich und bereits am Nachmittag waren die Feuerwehren erneut mit Einsätzen beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt waren es vor allem umgestürzte Bäume, welche Straßen blockierten und dementsprechend beseitigt werden mussten.

Da die Infrastruktur Österreichs bereits von den Gewittern am Vortag massive Schäden davontrug und bis zum Eintreffen des neuen Sturmtiefs nur notdürftig repariert wurde, war sie dem Sturm am Mittwoch schutzlos weitestgehend ausgeliefert. Erneut mussten in ganz Oberösterreich 60 Feuerwehren mit 900 Einsatzkräften ausrücken und etwa 156 vollgelaufene Keller auspumpen. Da auch Stromoberleitungen massiv beschädigt wurden und aufgrund der Wetterverhältnisse erst am Folgetag mit den Reparaturarbeiten begonnen werden konnte, waren zahlreiche österreichische Haushalte stundenlang ohne Strom. Diese lokalen Stromausfälle wirkten sich auch auf den Nah- sowie den Fernverkehr aus. Zahlreiche Zugverbindungen mussten unterbrochen werden. Auch die Polizei in Kärnten war zu zahlreichen Einsätzen ausgerückt, etwa, um den Verkehr umzuleiten.

Gewitter sorgen für neuen Blitzrekord

Wie stark Oberösterreich von den Unwettern betroffen war, macht ein Blick auf die Anzahl der gezählten Blitze in ganz Österreich klar. Im ganzen Land wurden im Monat Juni 412.046 Blitzentladungen registriert. Davon entfielen 193.000 allein auf Oberösterreich! Oder in prozentualen Werten ausgedrückt, 47%! Vergleicht man diese Daten mit denen aus dem Jahr 2020, dann sprechen diese Werte eine noch deutlichere Sprache. Denn im Juni 2020 wurden ganze 240.000 Blitze weniger registriert. Auf dem zweiten Platz folgt die Region Niederösterreich mit 77.000 Blitzen und auf Platz drei die Steiermark mit 66.000 Blitzen.

Das bedeutet, dass sich in Oberösterreich mehr als dreimal so viele Blitze formierten wie in Niederösterreich. Allein der Bezirk Braunau am Inn verzeichnete fast 40.000 Blitze und damit allein fast so viel wie die gesamte Region Steiermark. Bei diesen Zahlen gleicht es einem Wunder, dass es nicht zu folgenschweren Bränden aufgrund von Blitzeinschlägen kam. Dazu trugen sicherlich auch die schweren Regenschauer sowie der Hagel bei, welche die Unwetter begleiteten. Am schwersten hat es den Bezirk Ried getroffen, hier erreichten die Hagelkörner einen Durchmesser von fünf bis sechs Zentimetern. Augenzeugen der Feuerwehr sprachen daher folgerichtig nicht mehr von Hagelkörnern, sondern von Eisbrocken, welche vom Himmel fielen.

Österreichs Landwirtschaft wird in nur wenigen Stunden zerstört

Der Hagel war es auch, der die österreichischen Landwirte mit Entsetzen zurückließ. Innerhalb von lediglich 24 Stunden wurde ein Großteil der österreichischen Landwirtschaft vollständig zerstört. Österreichische Hagelversicherer formulierten ihre ersten Schätzungen des entstandenen Hagelschadens vorsichtig und bezifferten diesen dennoch auf ca. 22 Millionen Euro. Insgesamt wurden landwirtschaftliche Nutzflächen von 40.000 Hektar in nur wenigen Stunden vom Hagel regelrecht geschreddert. Diese Schätzungen beliefen sich jedoch ausschließlich auf die Sturmschäden vom Montag und Dienstag. Als am Mittwoch dann abermals schwere Unwetter aufzogen und die Steiermark und das Burgenland heimsuchten, musste diese Summe um 7,8 Millionen Euro nach oben korrigiert werden.

Verantwortlich für diese außerordentliche Schadensumme ist vor allem der Zeitpunkt, denn die meisten der von den Stürmen zerstörten Pflanzen waren so gut wie erntereif. Das große Problem der Landwirte Österreichs mit der Ernte wurde auch ihr Einkommen zerstört. Die Österreichische Hagelversicherung (ÖHV) befindet sich nicht zuletzt deshalb im Dauereinsatz. Sachverständige sind de facto rund um die Uhr im Einsatz, um Schäden zu begutachten und den landwirtschaftlichen Betrieben so schnell wie möglich helfen zu können.

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