Deutschland: Feuerwehr rast in Gartenparty – 7 Fw-Leute eingeklemmt, 1 tot
Garching an der Alz (Deutschland): Die Menschen stehen unter Schock, ihre Gesichter tragen Trauer. Am Freitagabend, 14. Juli 2006, ist einer von ihnen unter tragischen Umständen ums Leben gekommen:
Feuerwehrmann Stefan Ress (54) starb bei einem Rettungseinsatz. Und doch hätte alles noch viel schlimmer kommen können.
Das Feuerwehrauto, in dem Stefan Ress und sechs Kameraden saßen, raste in ein Nachbarschaftsfest. In letzter Minute konnten sich Kinder und Erwachsene in Sicherheit bringen. Es sieht nach einem Routineeinsatz aus, als die Freiwillige Feuerwehr Garching am Freitag um 20.18 Uhr alarmiert wird. Es geht um einen Verkehrsunfall, eine Person soll eingeklemmt sein, die Straße muss gesperrt, ausgelaufenes Öl gebunden werden. Minuten später sind 22 Mann in vier Fahrzeugen unterwegs – ihnen folgt Kommandant Markus Barth (34) im Privatauto. Noch ist das Ortsschild nicht erreicht, da passiert’s: Der 14-Tonnen-Tanklöschzug kommt von der Straße ab, überrollt einen Baum, rast in einen Garten und rammt die Mauer eines Bungalows. Das Areal hat sich in ein Schlachtfeld verwandelt: In dem Metallknäuel, das vom Führerhaus übrig ist, sind sieben Feuerwehrleute eingeklemmt.
Die Kollegen sind sofort vor Ort, hinzu kommen Feuerwehrleute aus Engelsberg, Unterneukirchen, Trostberg, Altötting und Wald. 75 Mann kämpfen wie die Löwen um das Leben ihrer Kameraden.
Sechs – im Alter zwischen 23 und 53 – können sie verletzt bergen. Doch für Stefan Ress kommt jede Hilfe zu spät. Kommandeur Markus Barth kann’s 36 Stunden später immer noch nicht fassen. Stefan Ress war über 25 Jahren bei der Wehr, als erfahrener Maschinist fuhr er oft den 14-Tonner. Erlitt er einen Schwächeanfall, eine Herzattacke am Steuer?
Barth: „Wir wissen nur, dass das Fahrzeug technisch in Ordnung war …“ Aber was nützen jetzt noch Erklärungen. Selbst wenn eine Obduktion alle Fragen beantworten sollte, der Schmerz bleibt. Trost?
Ein Kriseninterventionsteam stand den Angehörigen und Feuerwehrleuten zur Seite – und die ganze Gemeinde! Viele kamen an die Unglücksstelle, bis zwei Uhr nachts saß man noch im Feuerwehrhaus. „Die Menschen rücken ’zam“, meint Pfarrer Peter Hullermann. Er organisierte noch für Samstag einen Gedenkgottesdienst, an dem auch Bürgermeister Wolfgang Reichenwallner teilnahm.
Stefan Ress war Hausmeister in einer Siedlung, einer der immer ein offenes Ohr für alle hatte. Wie sehr er vermisst wird, ist im Kondolenzbuch nachzulesen, dass die Freiwillige Feuerwehr Garching ins Internet gestellt hat. Kameraden aus ganz Deutschland haben sich dort inzwischen eingetragen. Sie wünschen besonders der Familie Kraft, Ehefrau Ingrid, der Tochter und den Enkelkindern.
