Nö: Nachwuchsmangel – 6-Jährige sollen zur Feuerwehr!
Niederösterreich: Immer weniger Jugendliche interessieren sich für die Feuerwehr. Als Ausweg sollen bereits Sechsjährige für den Löschdienst angeworben werden. Die Idee ist umstritten.
Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann“. Was für Grisu den kleinen Drachen ein Traum war, interessiert immer weniger Kinder. Das beweist eine noch inoffizielle Studie. Inhalt: Den Feuerwehren läuft der Nachwuchs davon. Zudem steigt auch das Durchschnittsalter der Florianis bedrohlich an. Jetzt sollen sechsjährige Knirpse für den Löschdienst angeworben werden.
Der Nachwuchs war immer der große Stolz der nö. Feuerwehren. Fast jährlich wurde über Rekordaufnahmen in die Jugendgruppen berichtet. Damit ist es vorbei. Wurden im Vorjahr landesweit noch 4711 Buben und Mädchen auf den Einsatzdienst vorbereitet, sank diese Zahl heuer erstmals unter 4500. In der FF-Zentrale schrillen die Alarmglocken.
Für die knapp 1700 nö. Feuerwehren wird es zusehends schwieriger, junge Menschen für den freiwilligen Dienst zu begeistern. Eine schmerzliche Tatsache, die FF-Landeskommandant Josef Buchta tiefe Sorgenfalten ins Gesicht gräbt: „Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist.“ Im Frühjahr dieses Jahres betrug der Jugendanteil an den 93.893 Feuerwehrleuten in NÖ nur noch 4,7 Prozent. Ein Wert, der bereits über fünf Prozent lag. Derzeit hält man bei einem Mitgliederstand wie vor vier Jahren. Damit nicht genug, überaltern die Feuerwehren zusehends. Der nö. Floriani ist durchschnittlich 42,5 Jahre alt. Für Buchta eine Besorgnis erregende Statistik: „Wenn man bedenkt, dass in den nächsten Jahren geburtenschwache Jahrgänge auf uns zukommen, ist Feuer am Dach. Wir müssen bei der Jugendarbeit neue Wege beschreiten.“
Neue Modelle
Darüber gibt es verschiedene Denkansätze. Einer davon: Das Eintrittsalter für interessierte Kinder von derzeit zehn auf sechs Jahre zu senken. Ein umstrittenes Modell. Für den FF-Landeskommandanten ein möglicher Weg aus der Krise: „Die Konkurrenz von Sportvereinen oder Pfadfindern ist enorm. Die Kinder werden ab dem sechsten Lebensjahr aufgenommen und sind meist für die Feuerwehren verloren.“
In Deutschland, so Buchta, hätte man mit der Absenkung des Eintrittsalters bereits gute Erfahrungen gemacht: „In Thüringen und Berlin hat man damit große Erfolge erzielt.“ Darüber müsse aber noch ausführlich diskutiert werden. Vor allem Mädchen seien nach dem Eintritt in Hauptschule oder Gymnasium kaum an der Feuerwehr interessiert. Buchta: „Ab dem 10. Lebensjahr geht zusehends das technische Interesse verloren. “Wobei Buchta bewusst ist, dass die Arbeit mit Volksschülern eine pädagogische Herausforderung darstellt.
