Japan: Kampf gegen GAU: Neue Feuerwehrleute für Fukushima
Japan: Eine zweite Gruppe Feuerwehrleute ist auf dem Weg zum havarierten Atomkraftwerk Fukushima, um ihre Kollegen bei dem gefährlichen Kühleinsatz an den Reaktoren abzulösen. Das meldete der Fernsehsender NHK am Samstag.
Das zweite Kontingent stamme ebenfalls aus Tokio und umfasse 100 Mann. Die erste Gruppe besteht aus 139 Kollegen. Sie ist am Donnerstag vor dem AKW in Stellung gegangen. Der Wechsel geschehe, um die ersten Feuerwehrleute nicht noch stärker der radioaktiven Strahlung auszusetzen, zitierte NHK die Behörden. Zuvor hatte TEPCO mitgeteilt, dass die Strahlengrenzwerte für Arbeiter von 100 Millisievert pro Schicht auf 150 erhöht worden seien. Die „noch nie dagewesenen“ Probleme erforderten eine solche Maßnahme.
Viele der Arbeiter seien bereits einer höheren Strahlenbelastung ausgesetzt worden, als es die bisherige Grenze erlaubt, gab TEPCO im staatlichen Sender NHK bekannt. Man bemühe sich, alles zu tun, um die Gesundheit der Arbeiter zu schützen, so ein TEPCO-Sprecher. Jene, die bereits einer erhöhten Dosis ausgesetzt wurden, würden nicht zurück ins AKW geschickt.
14 neue Feuerwehrfahrzeuge: Die 139 Feuerwehrmänner hatten mit einem Spezialfahrzeug aus 22 Metern Höhe Tonnen von Wasser auf Reaktor 3 gesprüht, um für die dringend benötigte Kühlung der überhitzten Anlage zu sorgen. Die neuen Kollegen sollten den Angaben zufolge noch am Samstag an dem AKW ankommen. Sie sind mit 14 Feuerwehrfahrzeugen unterwegs.
An Block 3 des havarierten Atomkraftwerks Fukushima eins begann Samstagmittag (Ortszeit) ein neuer Kühlversuch. Feuerwehrleute richteten die Wasserkanonen ihrer Spezialfahrzeuge auf den zerstörten Reaktor, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Bereits Samstagfrüh hatten die Einsatzkräfte 25 Minuten lang 90 Tonnen Wasser auf die Anlage regnen lassen. Anders als in den Nachbarreaktoren lagert im Innern der Ruine von Block 3 auch das hochgefährliche Plutonium. Es wird befürchtet, dass der Wasserstand in dem Becken für Brennstäbe bedrohlich niedrig ist.
Siebenstündige Besprühung: Insgeamt sollen die Reaktoren weitere sieben Stunden von außen mit Wasser gekühlt werden. Am Ende würden dann mehr als Tausend Tonnen Wasser versprüht sein, berichtete der Sender NHK am Samstag. Das helfe, die Temperatur und die radioaktive Strahlung zu senken. Es sei aber nur eine vorübergehende Lösung. Techniker arbeiten weiter daran, die Stromversorgung des Kraftwerks wieder herzustellen. Daraufhin soll dann die eigene Kühlung der Anlage nach und nach wieder in Gang gesetzt werden – die Kühlanlagen müssen aber dann zunächst gesäubert werden. Das könnte frühestens am späten Samstagabend der Fall sein.
„Lage hat sich stabilisiert“: Am Reaktor 3 des stark beschädigten Atomkraftwerks ist nach Angaben der japanischen Regierung eine Verbesserung zu beobachten. „Wir glauben derzeit, dass sich die Situation stabilisiert hat“, sagte Regierungssprechers Yukio Edano am Samstag. Die Kühlaktionen von außen hätten eine Wirkung gehabt. Es sei mehr Wasser in Reaktor 3 festgestellt worden.
In Block 5 sinkt die Temperatur im Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag unter Berufung auf den AKW-Betreiber TEPCO meldete. Jedoch haben Reaktor 5 und 6 bisher auch die wenigsten Sorgen bereitet: Sie werden laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA mit dem Notstromdiesel des Blocks 6 gekühlt. Bei beiden Anlagen gebe es „keine unmittelbaren Bedenken“.
Der TV-Sender NHK meldete später, dass es an Reaktor 6 gelungen sei, neben dem bestehenden Notstromdiesel eine zweite Energiequelle zu installieren. Das habe Betreiber TEPCO berichtet. Zudem sei es bei Block 5 gelungen, eine bestehende Kühlpumpe wieder zum Laufen zu bringen. Beide Blöcke seien also mehr und mehr unter Kontrolle.
Verstrahlte Lebensmittel gefunden: Spinat und Milch aus der Umgebung des defekten AKWs sind radioaktiv verstrahlt. In den Pflanzen und der Milch seien hohe Strahlenwerte festgestellt worden, so Regierungssprecher Edano. Drei Viertel der untersuchten Agrarprodukte seien verseucht. Eine Gesundheitsproblem für die Bevölkerung bestehe deshalb aber nicht, hieß es.
Wer ein Jahr lang von der belasteten Milch trinken und den ebenfalls verstrahlten Spinat essen würde, erleide eine Strahlendosis von der Stärke einer Röntgenuntersuchung, erläuterte Edano. Auch in der Provinz Ibaraki, südlich von Fukushima, sei belasteter Spinat entdeckt worden.
