Stmk: Die Flammen lodern über die Köpfe hinweg…

Steiermark (Stmk): Die Feuerwehr- und Zivilschutzschule Steiermark als Lehreinrichtung des Landesfeuerwehrverbandes Steiermark ist ein unverzichtbarer Bestandteil hinsichtlich Ausbildung und Qualifikation der steirischen Feuerwehrmänner und –frauen.
Ein wesentlicher Ausbildungsschwerpunkt liegt in der ausreichenden Qualifikation von AtemschutzgeräteträgerInnen, da der Innenangriff im Brandeinsatz wohl eine der gefährlichsten Aufgaben für die Einsatzkräfte ist. Die erforderliche Effektivität und Eigensicherheit ist nur durch eine hohes Maß an Ausbildung, Erfahrung und Routine zu erreichen.
So müssen sich AtemschutzgeräteträgerInnen – sowohl jene der Berufsfeuerwehr als auch jene der freiwilligen Feuerwehren – regelmäßig fortbilden. Eine Gelegenheit hierzu bietet den steirischen Feuerwehrkräften das „Brandhaus“, sowie der „Brandcontainer“, der kürzlich, in der Nähe des Brandhauses situiert, in Testbetrieb genommen wurde.

In diesem Container können diverse Szenarien, die sich im Feuerwehreinsatz ereignen, simuliert und richtig beübt werden. Neben Aspekten der Wärmegewöhnung im Hochtemperaturbereich und der Rauchschichtbetrachtung bei einem Brand in geschlossenen Räumen bietet dieser vor allem die Möglichkeit, das Entstehen eines Brandes unter kontrollierbaren Verhältnissen zu beobachten und schließlich erfolgreich zu bekämpfen.
Atemschutzleistungsprüfung in Gold
Parallel dazu – jedoch unabhängig von der simulierten Rauchgasdurchzündung im Brandcontainer – wird am gestrigen Freitag und heutigen Samstag – zum vierten Mal die Atemschutzleistungsprüfung in der Stufe „Gold“ abgenommen. Austragungsort der Leistungsprüfung ist die Feuerwehr- und Zivilschutzschule Steiermark in Lebring. 34 „Trupps“ von steirischen Feuerwehren (bestehend aus 3 Mann und Gruppenkommandanten) haben sich gemeldet, um das begehrte Edelmetall zu erlangen.
Höchste Anforderungen werden den TeilnehmerInnen – in einer Mischung aus Theorie und Praxis – vom Bewerterstab auf fünf Stationen abverlangt. Nur alle zwei Jahre kann ein Bewerb absolviert werden, wobei die Stufen Bronze und Silber Voraussetzung sind, um in der Stufe Gold antreten zu dürfen.

Die Geschichte des Brandcontainers
Im März 2008 werden – initiiert vom stellvertretenden Bezirksfeuerwehrkommandant von Graz-Umgebung – erste Überlegungen für den Bau eines Containers auf Abschnittsebene im Abschnitt VI im BFV Graz-Umgebung angestellt. Es erfolgt daraufhin die Anschaffung eines Containers und die Beschaffung der DIN Normen für Brandcontainer in Deutschland durch Brandrat Gerhard Sampt. Kontaktaufnahme mit der JA Graz Karlau wegen der Adaptierung. Erste Vorgespräche werden mit der Betriebsfeuerwehr JA Graz Karlau geführt. Die Berufsfeuerwehr Graz meldet ebenso ihr Interesse an, sich bei diesem Projekt zu beteiligen. Der Bezirksfeuerwehrverband GU zeigt ebenfalls Interesse.
Strafgefangene bauen den Container
Vom Sommer bis Herbst 2009 erfolgt die Errichtung der Anlage durch Strafgefangene in der Schlossereiwerkstätte der Justizanstalt Graz Karlau, unter der Anleitung von Justizwachebeamten. Die BF Graz, vertreten durch Einsatzdirektor Ing. Heimo Krajnz und BOK Ing. Ingo Maier sowie der BFVGU durch den Projektverantwortlichen BR Gerhard Sampt sind voll involviert und arbeiten an diesem Projekt mit.

Probebetrieb
Am 12.11.2009 findet ein erster Probebetrieb der Anlage am Gelände der JA Graz Karlau durch die 3 Projektpartner statt. (BFV Graz-Umgebung, BtF JA Graz-Karlau und BF Graz). Vom 25.11.-26.11.2009 findet ein weiterer Probebetrieb mit Trainern der BF Augsburg statt. Von Dezember 2009 bis November 2010 wird der Container am Gelände der FW Süd der BF Graz zwischengelagert. In diesem Zeitraum erfolgen intensive Verhandlungen über den weiteren Betrieb sowie künftigen Aufstellungsort durch die Projektpartner.
Vom 27.09.2010 bis 01.10.2010 erfolgt eine Ausbildung der künftigen Trainer der Projektpartner in Skövde/Schweden (2 Mann BFVGU, 4 Mann BF Graz). Im November 2010 wird die mobile Übungsanlage auf das Gelände der FWZS überstellt, ein Fundament wird errichtet und die Containeranlage wird in die endgültige Position gebracht. Von April bis Juli 2011 wird ein Testbetrieb durch die BF Graz in Verbindung mit den Trainern des BFV GU durchgeführt. Anfang Juli 2011 werden durch die Feuerwehr- und Zivilschutzschule Steiermark neun Preßluftatmer (PA) inkl. Masken und Schutzponchos für Mann und Gerät angekauft, welche den Auszubildenden zur Verfügung gestellt werden.
Im Juli und August 2011 erfolgt die Container-Abnahme durch die Prüfstelle für Brandschutz in Wien. Anfang August 2011 nimmt die BF Graz den Übungsbetrieb für ihre interne Heißausbildung auf. Am 2. September erfolgte die erste Schulung für die Abschnitts-Atemschutzbeauftragten aus dem Bezirk Graz-Umgebung. Somit hat auch der BFVGU als Projektpartner den Übungsbetrieb aufgenommen. Anfang November hatte die BtF JA Graz-Karlau das erste Training. Bis zum heutigen Tag wurden rund 45 Durchgänge im Container durchgeführt.
Zukünftige Maßnahmen
Die Übernahme der Containeranlage durch den Landesfeuerwehrverband bzw. durch die Feuerwehr- und Zivilschutzschule Steiermark für den Bereich von Spezialausbildungen im Atemschutzwesen ist geplant.

Die Atemschutzausbildung
Der Atemschutzausbildung wird im Rahmen der Feuerwehrausbildung ein besonderer Stellenwert zugemessen, geht es hier doch im Besonderen um den Schutz sowie um die Sicherheit der Feuerwehrkräfte bei ihrer Diensterfüllung. Atemschutzgeräteträger werden im Anlassfall unter erschwerten Bedingungen zur Menschenrettung und Brandbekämpfung eingesetzt oder leisten unter anderem im toxischen Gefahrenbereich technische Hilfe, um Gefahren für Mensch und Umwelt abzuwenden. Einsätze unter „schwerem Atemschutz“ stellen für die Feuerwehrkräfte eine besondere Belastungs- und Risikosituation dar.
Atemschutzgeräteträger (AGT) sind Mitglieder von Feuerwehren, die sowohl medizinisch als auch ausbildungsmäßig in der Lage sind, ein Atemschutzgerät zu tragen. Eine umfassende Ausbildung im Umgang mit Atemschutzgeräten erhalten die FeuerwehrkameradInnen an der Feuerwehrschule in Lebring.
