Wien: Floridsdorf erhält Österreichs modernstes Feuerwehr-Ausbildungszentrum

WIEN: In Floridsdorf wird derzeit Österreichs modernstes Feuerwehr-Ausbildungszentrum errichtet. Auf dem Freigelände beim Kraftwerk Leopoldau können die Einsatzkräfte künftig in einem „Abrisshaus“ und mit einer ausrangierten U-Bahn-Garnitur trainieren.

Einhundert Tage dauert bei der Wiener Berufsfeuerwehr die Grundausbildung zum Jungfeuerwehrmann. Nach einem Aufnahmetest und viel Theorie folgt der praktische Teil. Bislang wurde in verschiedenen Feuerwachen geübt. Jetzt wird die Aus- und Weiterbildung der Berufsfeuerwehr in die Feuerwehrschule in der Josef-Brazdovics-Straße und auf das Freigelände neben dem Gaswerk Leopoldau zusammengezogen.

80-Kilo-Leiter als Herausforderung
Das Ziel sind gleiche Ausbildungsstandards und Übungen am modernsten Gerät. Bei einem Besuch von „Wien heute“ wird gerade das Aufstellen der Leiter geübt. „Da muss jeder Handgriff sitzen. Die Leiter hat 80 Kilo, und das Aufstellen muss um drei Uhr in der Früh bei Wind und Wetter genauso funktionieren. Der Sinn des Trainings ist es, hier die Perfektion zu bekommen“, so Feuerwehrsprecher Christian Feiler.

Atemschutzeinsatz in der „weißen Hölle“
Im „Brandhaus“ in der Josef-Brazdovics-Straße wird Rauch simuliert. Auf Kommando müssen die Feuerwehrschüler hinein in die „weiße Hölle“. Unter Anleitung eines Trainers werden die Räume nach Verletzten durchsucht. Gleichzeitig wird der Innen- und Außenangriff für den Löscheinsatz vorbereitet.
Der Atemnschutzeinsatz ist nichts für schwache Nerven, sagt Feiler. „Man ist eingeschränkt in der Wahrnehmung. Gleichzeitig hat das Feuer eine Hitze, es ist laut, es können Leute um Hilfe schreien, es stehen Schaulustige herum, man muss unterscheiden, wer wirklich Hilfe braucht und wer nicht. Das sind die Sorgen der Kollegen, die die ersten Einsätze absolvieren.“

U-Bahn inklusive Station zum Üben
Vergangene Woche wurde eine U-Bahn-Garnitur in die Leopoldau geliefert. Die Feuerwehr rettete den Zug vor dem Verschrotten. Jetzt wird der ausrangierte „Silberpfeil“ Herzstück für das 6.000 Quadratmeter große Übungsgelände beim Gaskraftwerk.
„Das ist ein echter Zug, der sehr schwer ist. Und hier wird auch das Heben von sehr schweren Lasten geübt. Denn es passiert leider immer wieder, dass eine Person durch einen Unfall unter die U-Bahn kommt. Dann müssen die Handgriffe rasch und sicher sitzen – und das bei beengten Platzverhältnissen“, so Feiler. Damit alles echt wirkt, wurde auch eine U-Bahn-Station nachgebaut. Daneben befindet sich ein künstliches Bachbett für einen Schadstoffeinsatz. Auf einem Straßenstück wird künftig außerdem die Fahrzeugbergung trainiert.

Vorbereitungen für neue Einsturzhäuser
In einem dreistöckigen „Trümmerhaus“ lernen die Feuerwehrschüler, wie sie Verletzte bergen: „Mit diesem Objekt, das gerade neu gebaut wird, wird künftig das Vorgehen bei Teileinstürzen simuliert. Es wird hier die Möglichkeit geben, verschiedenste Verschüttungsszenarien nachzustellen, um das Retten von Verschütteten, wie beim Einsturz auf der Mariahilfer Straße letztes Jahr, üben zu können“, so Christoph Trimmel, der Projektleiter des Ausbildungszentrums.

ORF Wien

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