Stmk: Archäologischer Sensationsfund bei Feuerwehrhausbau

KLEINSTÜBUNG (STMK): Die Freiwillige Feuerwehr Kleinstübing (Bezirk Graz-Umgebung) feierte im September 2019 ein großes Fest zur Eröffnung des neuen Feuerwehrhauses. Sensationell ist dabei aber nicht nur das neue Bauwerk, sondern sicher auch die Präsentation einiger erstaunlicher archäologischer Funde, die im Zuge der Bauarbeiten gemacht wurden.

Seit vielen Jahren drückten Raumnot, fehlende Heizungs- uns Sanitäreinrichtungen die Stimmung unter den insgesamt 50 Kleinstübinger Feuerwehrmitgliedern. Die 36 aktiven, sieben Jugendmitglieder und 7 Reservemitglieder waren im alten Feuerwehrhaus ohne Heizung und ohne Duschen untergebracht.  Die Umkleiden befanden sich in den Garagen, die Garagen waren zu klein für die Fahrzeuge. Geschlechtertrennung war für die sechs weiblichen Feuerwehrmitglieder damit fast unmöglich. Zum Umkleiden – auch bei Minustemperaturen mussten sogar die Fahrzeuge zuerst aus den Garagen gestellt werden. So konnte es nicht weitergehen.

Ende 2016 wurde daher aufgrund der unhaltbaren Zustände von der Feuerwehr dem Gemeinderat der Marktgemeinde Deutschfeistritz ein Konzept für einen Zubau gegenüber dem bestehenden Feuerwehrhaus samt Finanzierungsvorschlag vorgelegt.

Im September 2017 erfolgte nach Beschlussfassung der Baubeginn – wobei von Anfang an hohe Eigenleistungen der Feuerwehrmitglieder mit einkalkuliert waren. Für das Gesamte Projekt standen    € 460.000,- zur Verfügung, wobei von der Feuerwehr selbst aus der Wehrkasse ein Betrag von € 90.000,- zur Verfügung gestellt wurde. Der Restbetrag wurde über die Bauzeit von der Marktgemeinde Deutschfeistritz bzw. aus Förderungsmitteln finanziert.

Löschbereich

Der Einsatz- bzw. Löschbereich der 1912 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Kleinstübing in der Marktgemeinde Deutschfeistritz umfasst eine Fläche von rund 20 km2 mit etwa 1.100 Einwohnern. Im Löschbereich befinden sich aber auch z.B. das Freilichtmuseum Stübing sowie das SOS Kinderdorf. Derzeit stehen den Feuerwehrmännern und Frauen drei Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Jährlich gilt es rund 40 Einsätze zu bewältigen.


Bodenfundstelle

Der gesamte Bauplatz ist im Flächenwidmungsplan als „Bodenfundstelle” ausgewiesen. Deshalb war bereits bei Baubeginn klar, dass alle Grabungsarbeiten vom Bundesdenkmalamt bzw. Archäologen begleitet werden müssen. Bekannt ist auch, dass der Bauplatz an das Areal einer „Villa Rustica”, einem römischen Gutshof im Bereich des SOS Kinderdorfes Stübing angrenzt. Schon 1999 und 2003 konnten im Bereich der Feuerwehr kleinere Funde gemacht werden.

Nicht schlecht staunten die Feuerwehrmitglieder, als bei Fundamentgrabungsarbeiten ein unförmiger weißer Stein zu Tage gebracht werden konnte. Schnell stellte sich heraus, dass es sich bei dem Stein um eine figürliche Darstellung handelt. Aber es blieb nicht bei einer Figur, sondern ein zweites und drittes bearbeitetes Objekt konnten gefunden werden. Um was es sich im Detail handelt und welche Bedeutung diese Funde für die römische Geschichte der Steiermark haben erklärt Frau Univ. Doz. Dr. Ulla Steinklauber wie folgt:

„Ganz besondere Funde aus Marmor kamen beim Neubau des Feuerwehrhauses in Kleinstübing zutage. Sie stammen aus der Römerzeit und sind 1800 Jahre alt: Das Fragment eines vollplastischen liegenden (männlichen) Löwen mit reich gelocktem Fell. Erhalten ist nur ein Teil des Körpers, Kopf, Beine und das Rückenende fehlen. Und eine vollplastische Figur, die zu einem Großteil erhalten geblieben ist. Es ist ein kindlicher Eros (ein geflügelter Knabe, Begleiter der Venus), der auf dem Nacken eines Meerestieres steht. Ein Teil des Kopfes des Eros, ein Teil des Tierkopfes und das Ende des Tierkörpers fehlen. Erhalten geblieben ist die zugehörige in drei Spitzen endende Schwanzflosse. Der Körper des Tieres steht senkrecht nach oben, an ihn ist der Eros eng angelehnt. Mit den seitlichen Flossen lenkt er das Tier, das in einer Momentaufnahme nach einem Sprung wieder in das Wasser eintaucht. So tollen die beiden über das Meer. Dieses Meerwesen erinnert an einen Drachen, gemeint ist aber ein Delphin, dessen Aussehen der römerzeitliche Künstler mit anderen Vorstellungen von Meerestieren verwoben hatte.

Wir haben einen sogenannten Delphinreiter vor uns, ein klassischer Begleiter von verstorbenen Menschen, deren Seele in eine andere Welt von den beiden Wesen begleitet wird. Die Skulptur stand seitlich auf dem Dach eines sehr hohen Grabgebäudes aus Marmor. Ein gegenständig angebrachter zweiter Delphinreiter stand wohl auf der anderen Dachseite. Auch liegende Löwen gehören zu den Grabskulpturen. Einerseits bewachen sie den Verstorbenen, andererseits stellen sie auch dessen Kraft zur Schau. Mit einiger Wahrscheinlichkeit gehören beide Skulpturen zu demselben Grabmonument und zeigen eine starke künstlerische Eigenständigkeit und den Reichtum des Verstorbenen, dem wohl die römerzeitliche Villa in Kleinstübing gehört hatte.”

Stolz sind die Kleinstübinger Feuerwehrmitglieder, dass so bedeutende Funde beim Bau des Feuerwehrhauses gemacht werden konnten. Die 103 cm hohe römische Marmorstatue des „Eros von Kleinstübing” wird vorerst im Foyer des Feuerwehrhauses zu besichtigen sein.

Auch die übrigen Funde, sowie auch gemachte urnenfelderzeitliche Grabfunde sollen nach der wissenschaftlichen Publikation einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Vielleicht auch in Verbindung mit der öffentlichen zugänglichen Ausgrabung der römischen Villa von Kleinstübing im SOS Kinderdorf.

Eröffnung

Die Eröffnung des Feuerwehrhauses erfolgte am Sonntag, den 8. September 2019, in Verbindung mit der Präsentation der archäologischen Funde, durch Landesbranddirektor Reinhard Leichtfried. Nach genau zweijähriger Bauzeit wurde das neue Feuerwehrhaus damit offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Von den Feuerwehrmitgliedern wurden bis dato zusätzlich zu den selbst aufgebrachten finanziellen Mitteln aus Veranstaltungen und Spenden unglaubliche 7.000 freiwillige, unbezahlte Stunden geleistet, wobei die Feuerwehr auch von der Bevölkerung tatkräftig unterstützt wurde. Eine Besonderheit ist, dass von der Planung über die Ausschreibung bis hin zur Ausführung nahezu alle Arbeitsschritte von den Feuerwehrmitgliedern selbst erledigt wurden oder die ausführenden Firmen soweit es machbar war, unterstützt wurden.

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