Brandschutzprävention für Senioren

Brandschutzprävention für Senioren ist so wichtig, da die meisten Brandtoten, ca. 67% mit steigender Tendenz (Quelle: Statistisches Bundesamt, Deutschland) über 60 Jahre alt sind.

Von BI Stefan Budde, Leiter Fachbereich Brandschutzerziehung und -aufklärung im Kreisfeuerwehrverband Gütersloh e.V.

Die meisten dieser Menschen haben noch „das offene Feuer“ und den Umgang damit praktisch erlebt und wissen, sicher damit umzugehen. Aber warum ist dann gerade diese Personengruppe so gefährdet?

Hauptgründe der erhöhten Gefährung

Als Hauptgründe für die erhöhte Gefährdung können die verminderte Selbsthilfefähigkeit und die veränderten Lebensbedingungen genannt werden. Es kommen unwiderruflich die altersbedingten Veränderungen auf jeden von uns zu. So nimmt im Alter die Leistungsfähigkeit der Sinnesorgane oft drastisch ab. Viele Senioren sind auf Brillen und/ oder Hörgeräte angewiesen, um die körperlichen Einschränkungen auszugleichen. Darüber hinaus dürfen die Verschlechterungen des Gleichgewicht- und des Geruchsinn nicht außer Acht gelassen werden. Zudem verringert sich die Konzentrationsfähigkeit.

67% der Brandtoten in Deutschland sind Senioren!

Ein weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Verringerung der motorischen Fähigkeiten. Die Muskulatur baut sich ab und die Leistungen des Herz-Kreislaufs verringern sich. Viele ältere Menschen benötigen für ihre Mobilität (und das auch bereits für die häusliche Umgebung) einen Gehstock oder Rollator.

Als zweiten Punkt ist die oft veränderte Lebenssituation zu nennen. Viele Senioren möchten ihre gewohnte Umgebung nicht aufgeben und leben allein in einer Wohnung oder einem Haus. Hier hat man sehr oft das Problem der Vereinsamung. Für viele bedeutet der Alltag nur noch „Wohnalltag“, da sie nicht mehr als eine Stunde pro Tag vor die Wohnungstür kommen können oder wollen. Die Gründe hierfür können sehr vielfältig sein.

Maßnahmen zur Senkung der Brandtoten

Wie können die Betroffenen selbst, die Angehörigen und die Brandschutzerzieher der Feuerwehr jetzt aber helfen, die Anzahl der Brandtoten deutlich zu senken?

Der erste und oft schwierigste Schritt ist, sich selbst über die Einschränkungen bewusst zu sein. Das hört sich sehr leicht an, ist in der Praxis aber sehr schwer, da man sich selbst Schwächen eingestehen muss und unter Umständen realisieren muss, dass man auf andere angewiesen ist. So sollte man sich zum Beispiel bewusst machen, kann ich den Alarmton eines Rauchmelders überhaupt noch hören, auch nachts? Oder habe ich überhaupt noch die Kraft einen handelsüblichen Feuerlöscher (6 Kg) von der Halterung zu nehmen, bis zum Brandherd zu tragen und dann noch zu löschen?

Vergleichbar ist diese Situation mit dem Erkennen und der Einsicht, das man nicht mehr in der Lage ist, ein Kraftfahrzeug zu führen und seinen Führerschein bzw. sein Fahrzeug abgibt. Dieser Punkt ist oft schmerzlich, da man sich eingestehen muss, dass man nicht mehr alles selbst kann und daher wird er soweit wie möglich herausgezögert, oft bis es zu spät ist.

Der zweite Schritt ist es, zu überprüfen, ob die Wohnung bzw. das Haus sicher vor Brandgefahren ist. Einer der Hauptgründe für Brände sind elektrische Geräte und Leitungen. Diese sollten in regelmäßigen Abständen überprüft werden und Defekte nur durch Fachpersonal instandgesetzt werden.

Herdschutzwächter

Ebenfalls sollten Brandlasten wie zum Beispiel alte Zeitungen, geringgehalten werden und in sicherer Entfernung von Gefahrenquellen sein. Man sollte sich auch von alten Sachen trennen, die man jahrelang nicht mehr benutzt hat.

Auch das menschliches Fehlverhalten, wie Überlastung von Mehrfachsteckern oder Abdecken von Lüftungsschlitzen sollte ins Auge gefasst werden.

Der dritte Schritt sollte dann sein, sich zu überlegen (nach Möglichkeit zusammen mit Fachleuten) welche Hilfsmittel als Unterstützung sinnvoll sind und welche Maßnahmen man als Vorbeugung treffen kann.

Hilfsmittel

Als Beispiel ein paar Hilfsmittel, die ein sicheres und selbstbestimmtes Leben im Alter noch unterstützen:

* Rauch- und CO-Melder sind wahre Lebensretter, da sie frühzeitig warnen. Hier gibt es zudem diverse Sonderlösungen, wie zum Beispiel die Alarmierung durch Rüttelkissen bzw. Blitzleuchten für Menschen mit Beeinträchtigung ihres Hörvermögens.

* Herdschutzwächter, die den Herd automatisch abstellen, wenn das Essen vergessen wurde.

* Handläufe können Personen, denen das Gehen schwerfällt, im Ernstfall das Flüchten deutlich vereinfachen.

Handlauf beim Hauseingang.

* Evakuierungsdecken sind für die Einpersonenrettung von bettlägerigen Menschen aus Gefahrenbereichen vorgesehen.

Einpersonenrettung mit Evakuierungsdecke

* Hausnotruf ist der Ansprechpartner in Notsituationen (auch Feuer). Es gibt bereits Systeme, die eine Koppelung mit Rauchwarnmeldern in der Wohnung haben.

* Feuerlöschspray ist eine leichtere Variante von Feuerlöschern, die auch von Senioren gut bedient werden kann.

* Nachtleuchtende Markierungen erleichtern zum Beispiel das Auffinden des Telefons oder kennzeichnen Stolperstellen.

Nachtleuchtende Markierung zum schnelleren Auffinden von Hilfsmitteln -Telefon, Hörgerät, Brille … (Quelle: Privat)

In diesem dritten Schritt sollten auch einmal Notsituationen „durchgespielt“ werden. Hierbei erkennt man schnell die Schwachstellen und kann, bevor es Ernst wird, gegensteuern oder Maßnahmen ergreifen.

Durch Wiederholung von Routinen lernt man auch im Ernstfall ruhiger und besonnener zu handeln.

Fazit

Wenn man sich seiner Schwächen bewusst ist und dazu bereit ist Hilfsmittel anzunehmen, zu verwenden und dann noch ein Check der „eigenen vier Wände“ hinzu kommt, dann sind die wichtigsten Schritte in Richtung eines sicheren Lebens im Alter aus Sicht des Brandschutzes getan.

Links

Herdwächter
Evakuierungsdecken
Brand-Feuer.de

Fireworld.at-Artikel: Senioren überdurchschnittlich oft von Wohnungsbränden betroffen

Ein Gedanke zu „Brandschutzprävention für Senioren

  • 24. Juni 2020 um 2:04
    Permalink

    Senioren sind ein großer und wichtiger Teil der Gesellschaft.

    Waren früher ältere Menschen ab einem gewissen Alter nicht
    mehr so mobil und somit nicht ständig präsenter Teil der Gesellschaft, hat sich die Situation verändert.
    Heute sind Senioren bis ins hohe Alter aktiv und mobil.
    Dennoch haben sie ganz eigene Bedürfnisse, die berücksichtigt
    werden müssen. Diese Altersgruppe ist von anderen Werten und Erfahrungen geprägt.

    Zugleich können jüngere Generationen viel von ihnen und
    ihren Erfahrungsschätzen lernen.

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