Deutschland: Großfeuer in ehemaliger Malzfabrik
Köthen (Deutschland): Wohl selten ist ein Brand von so vielen Menschen nahezu gleichzeitig gemeldet worden: Es müssen 50 bis 70 Anrufe gewesen sein, die Donnerstag Nacht, 14. September 2011, der Leitstelle den Brand der ehemaligen Malzfabrik in Köthen mitteilten.
„Das hat hier hintereinanderweg geklingelt“, sagt der Mann am Einsatztelefon. „Leute aus der Leipziger Straße, aus der Krause-Straße und sonstwo her.“ Wenn man in Richtung Bitterfeld blicke, sehe man Flammen zum Himmel schlagen. 22.54 Uhr löste die Leitstelle Alarm aus.
Der sich zu einem der größten Brandbekämpfungseinsätze von Feuerwehren im Altkreis Köthen in den zurückliegenden Monaten entwickelte, wie Rüdiger Galander von der Köthener Feuerwehr bestätigte, der den Einsatz leitete. Und dabei in der Spitze rund 85 Feuerwehrleute koordinieren musste. „Denn es stellte sich schnell heraus“, so Galander, „dass wir Hilfe nötig hatten.“ So wurden die Akener und die Weißandt-Gölzauer Kameraden hinzugezogen, auch die Quellendorf Wehr war letztlich mit vor Ort, um das Gebäude der ehemaligen Malzfabrik, dessen Front parallel zur Bahnhofstraße verläuft, zu löschen.
Was schon deswegen nicht ganz einfach war, weil die Kameraden mit ihren Fahrzeugen zunächst einmal vor verschlossenen Türen standen. Der Zugang zur Krausestraße war ebenso verschlossen wie das Tor zur Bahnhofstraße. Letzteres wurde durch die Feuerwehr aufgeschweißt, um eine Schlauchleitung zum Hydranten in der Straße zu legen. Insgesamt musste Wasser gleich aus drei Hydranten gezogen werden, um das Großfeuer möglichst rasch einzudämmen.
Das Team unter dem Führer der ersten Gruppe Yves Kluge sorgte auch dafür, dass man das Übergreifen der Flammen auf das Gebäude verhinderte, in dem sich früher eine Darre befand. „Wir haben eine Riegelstellung aufgebaut“, erklärt Rüdiger Galander, „und haben das benachbarte Gebäude ständig gekühlt, will heißen: unter Wasser gesetzt.“
Auch dazu wurden erhebliche Wassermengen benötigt, was man sich leicht ausrechnen kann. Ein B-Rohr pumpt bei einem Druck von acht Bar rund 800 Liter Pro Minute auf die Flammen. Die Feuerwehren in der Malzfabrik hatten sechs B-Rohre im Einsatz. Mit den Löscharbeiten wurde 23.30 Uhr begonnen, gegen zwei Uhr, als man das Feuer unter Kontrolle hatte, waren also rund 720.000 Liter Wasser eingesetzt worden – gleichmäßige Pumpleistung vorausgesetzt.
Gegen 2 Uhr am Donnerstagmorgen, 15.9.2011, sah das Gebäude wie nach einem Bombenvolltreffer aus. In allen Etagen waren die Holzdecken komplett abgebrannt, so dass nur noch die Außenmauern geblieben waren und in Inneren Reste von Leitungen und anderen Metallteilen bizarr aufragten. Aufgrund der Größe des Hauses hatten sich die Feuerwehrleute dem Brandherd von zwei Seiten genähert. „Wir haben einen Durchbruch in der Giebelwand gemacht“, informierte Heiko Wichmann von der Feuerwehr Südliches Anhalt den Köthener Einsatzleiter, der sich um halb zwei am Donnerstagmorgen einen Becher Kaffee und eine Pause gönnte, „und kommen von dort aus euren Leuten entgegen.“
Selbst als irgendwann die Flammen von spektakulärer Größe zu kleineren Nestern zusammengefallen waren, konnten die Wehren ihren Einsatz längst nicht abbrechen. Etwa um 3.30 Uhr wurden die Weißandt-Gölzauer, Akener und Quellendorfer Kameraden durch Feuerwehrleute aus Arensdorf und Baasdorf abgelöst. Am Donnerstag Nachmittag war immer noch nicht Schluss in der Malzfabrik – die sich übrigens im Eigentum der Landsberger Brauerei befindet – da hatten die Köthener wieder das Zepter übernommen. Und auch die Brandermittler der Polizei hatten da schon ihre Ermittlungen aufgenommen, da eine Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden könne, hieß es seitens der Polizei. Eine Schadenshöhe konnte noch nicht beziffert werden.
