Bgld: Hunderte Hektar brennendes Schilf am Neusiedler See → Black-Hawks im Einsatz → Detailbericht

ILLMITZ (BGLD): Noch am 2. April 2020 konnte die FF Illmitz über einen erfolgreich bekämpften Schilfbrand am Neusiedler See berichten. Siehe Einsatzbericht hier auf Fireworld.at.

„Flurbrand klein, Alarmstufe B1, beim Sandeck“ lautete die Alarmierung mittels stillem Alarm am Freitag, den 3. April 2020, kurz vor 12:00 Uhr mittags für die Mitglieder der FF Illmitz. Eigentlich ein Routine- Einsatz für die Feuerwehrleute aus Illmitz, in deren riesigen Gemeindehotter mit knapp 92 Quadratkilometern es immer wieder zu Flur- und Schilfbränden kommt.

Bericht: Peter Kroiss, FF Illmitz

Dass sich dieser Einsatz zu den größten Einsätzen in den letzten Jahren für die Ortsfeuerwehr entwickelt, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand erahnen… Beim „Sandeck“ handelt es sich um den südlichsten Abschnitt des Seedamms, der parallel zum Ostufer des Neusiedler Sees verläuft. Der lange Seewall ist Teil des Nationalparks Neusiedler See/Seewinkel und durch den monumentalen, ehemaligen Grenzwachturm und dem Gehege der berühmten „weißen Esel“ (eine vom Aussterben bedrohte Hauseselrasse) vor allem bei vielen Touristen und insbesondere Radfahrern ein beliebtes Fotomotiv für schöne Urlaubsfotos.

Massive Rauchwolke sichtbar

Aufgrund der derzeit herrschenden Ausnahmesituation betreffend des Corona- Virus hat die FF Illmitz für die Abwicklung kleinerer Brandeinsätze (Alarmstufe B1) eine eigene Alarmgruppe gebildet, damit nicht bei jedem Kleineinsatz unnötig viele Feuerwehrmitglieder zusammentreffen. Daher rückten knapp drei Minuten nach der Alarmierung die beiden Tanklöschfahrzeuge der FF Illmitz (TLF 3000 und TLF 2000) mit je vier Mann aus. Da jedoch bereits bei der Anfahrt noch im Ortsgebiet eine massive Rauchwolke sichtbar war, wurde noch während der Anfahrt Sirenenalarm und somit die Alarmierung aller Feuerwehrmitglieder vom Einsatz befohlen. Unmittelbar nach Ankunft wurde auf Alarmstufe B2 erhöht, was bedeutet dass auch die Ortsfeuerwehr Apetlon mittels Sirene alarmiert wird.

Größere Flächen in Brand

Bei der Ankunft im Ried „Sandeck“ stellte sich folgende Situation dar: Auf einer Länge von rund 700 – 800 m standen zwischen der Seestraße und dem Aussichtsturm größere Flächen Wiese und Schilf in Flammen, bedingt durch den herrschenden Wind wurden die Flammen angetrieben, weshalb sich der Brand unkontrolliert und rasend schnell in Richtung Aussichtsturm ausbreiteten.

Als Erstmaßnahme wurde vom TLF3000 versucht, die Brandausbreitung auf den Schilfgürtel im nördlichen Teil und in weiterer Folge in Richtung Seebad zu verhindern, was auch gelang. Von der Besatzung des TLF2000 wurde die Brandausbreitung im Süden in Richtung des Stalls der „weißen Esel“ unterbunden. Durch den raschen Einsatz (teilweise unter Atemschutz) von mehreren Rohren konnte der Stall sowie das Gehege der weißen Esel durch die FF Illmitz und die zwischenzeitlich eingetroffene FF Apetlon gerettet werden, jedoch konnte sich das Feuer in westliche Richtung zum Schilfgürtel hin ausbreiten.

Schwer bis gar nicht zu Fuß zugänglich

Bedingt durch die ungünstige geographische Lage (sumpfiges Gebiet, teilweise vollständig unter Wasser, mit unzähligen kleinen Schilfinseln) konnte die Brandbekämpfung von der Landseite als auch vom Wasser her nicht durchgeführt werden. Die eingesetzten Kräfte führten zwischenzeitlich Nachlöscharbeiten auf den bereits abgelöschten Wiesen durch. Von Seiten der Einsatzleitung wurden die Planungen für den weiteren Einsatzverlauf durchgeführt.

Auf dem Wachturm wurden Posten aufgestellt, welche den Brandverlauf im Schilfgürtel beobachteten. Weiters kam auch eine Drohne der FF Rust zum Einsatz, um erste Luftbilder zu erhalten. Nachdem am Nachmittag des 3. April 2020 die Bezirkshauptmannschaft Neusiedl am See für einen eventuellen Assistenzeinsatz des Bundesheeres sowie Unterstützung durch das Bundesministerium für Inneres eingeschaltet wurde, konnte noch unmittelbar vor der Dämmerung ein erster Kontrollflug durch den Hubschrauber des BMI durchgeführt werden. Anschließend wurde in Absprache mit dem Landesfeuerwehrkommando Burgenland, der Bezirkshauptmannschaft Neusiedl am See und dem Einsatzleiter HBI Kracher Alois entschieden, dass in der Früh des 4. April 2020 zwei Black-Hawk Hubschrauber zum Einsatz kommen sollen.

Brand in drei Richtungen aufgeteilt

Der Brand hatte sich zwischenzeitlich in drei Richtungen aufgeteilt: Eine Feuerschneise zog mit dem Wind südlich in Richtung Apetlon bzw. weiter Richtung Ungarn, eine zweite Schneise zog westlich in Richtung See, eine dritte Schneise in Richtung Nordwesten. Da in der Nacht der Wind merkbar schwächer wurde, konnte auch eine merkbare Verlangsamung der Brandausbreitung bemerkt werden. Glücklicherweise erlosch die Feuerschneise nach Süden in Richtung Ungarn in den frühen Morgenstunden von alleine, die beiden anderen Schneisen formten sich in der Früh zu einer langen, über 500 breiten Feuerschneise, welche langsam in Richtung Seebad Illmitz zog.

Schutz des Seebads Illmitz

Noch in der Nacht wurden im Seebad Illmitz erste Maßnahmen zum Schutz der dortigen Sachwerte gesetzt, beispielweise wurde ein Großschiff des im Ort ansässigen Schifffahrtsunternehmen auf einen anderen Ort weg vom Schilfgürtel gebracht. Weiters wurden bis auf eine Brandwache mit vier Personen sämtliche Einsatzkräfte beider Feuerwehren einrückend gemacht, damit am nächsten Tag die Löscharbeiten mit ausgeruhtem Personal durchgeführt werden konnte.

Vorbereitung der Landeplätze

Am Morgen des 04.04.2020 wurden anschließend alle Mitglieder der FF Illmitz wieder alarmiert und der Aufbau der Landeplätze für die Hubschrauber durchgeführt. Unterstützt wurden die Einsatzleitung dabei durch den Flugdienst des Landesfeuerwehrverbandes Burgenland sowie aus Niederösterreich. Die Betankung sowie die Vorbereitung des gesamten flugtechnischen Equipments wurden im Seebad Mörbisch durchgeführt, die Betankung eines 3000-Liter- Löschwasserbehälters mit Wasser wurde auf der Seestraße in Illmitz mittels zweier B- Leitungen und spezieller Einfüllvorrichtungen durchgeführt.

Die Wasserversorgung wurde über den neben der Seestraße befindlichen Kanal sichergestellt. Der zweite Löschwasserbehälter (Bambi- Bucket) konnte direkt im See aufgefüllt werden.

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