Oö: Wärmebildkamera-Aktion für ein ganzes Bundesland

„Durch den Einsatz moderner Wärmebildkameras können Personen auch bei extremer Rauchentwicklung schnell aufgespürt und gerettet werden. Die Anschaffung der Wärmebildkameras ist ein weiteres Stück im großen Puzzle, welches ‚Sicherheit für Oberösterreich’ heißt!“
Feuerwehr-Landessrat Max Hiegelsberger
Landesfeuerwehrkommandant Dr. Wolfgang Kronsteiner

„Laut einer amerikanischen Studie gelingt das finden einer vermissten Person mit Hilfe einer Wärmebildkamera im Schnitt um 80 Prozent schneller“, betonen Feuerwehr-Landesrat Max Hiegelsberger und Landesfeuerwehrkommandant Dr. Wolfgang Kronsteiner.
Gerade in stark verrauchten Räumen stellt die Kamera dem Atemschutzträger ein klares Bild zur Verfügung. So ist es möglich, meist ohne größere Schäden, auch kleinere Glutnester zu lokalisieren und gezielt zu löschen. Aber nicht nur bei Bränden kommt die Kamera zum Einsatz, sondern auch bei vielen technischen Einsätzen wie etwa Schadstoffaustritten, zum Lokalisieren von Insektennestern, Personensuchaktionen, Wärmemessungen nach Bränden und vieles mehr! Mit Infrarotsensortechnik können sie auch in verrauchter oder stockdunkler Umgebung "sehen", um im Rauch oder Feuer eingeschlossene Personen rascher finden und retten zu können.

„Gerade die giftigen Rauchgase zählen im Brandfall zu den größten Gefahren für Mensch und Tier. Das Einatmen dieser Rauchgase führt schnell zur Bewusstlosigkeit; betroffene Personen können sich nicht selbst in Sicherheit bringen oder um Hilfe rufen. Die speziell für den Feuerwehreinsatz entwickelten Wärmebildkameras fungieren dann als "Augen" der Einsatzkräfte, da die Geräte auf ihrem Bildschirm nicht nur Brandherde, sondern auch Menschen oder Tiere anzeigen können“, stellen Feuerwehr-Landesrat Max Hiegelsberger und Landesfeuerwehrkommandant Dr. Wolfgang Kronsteiner fest.

Das Lieferpaket für die Freiwilligen Feuerwehren in Oberösterreich
„Bei der Feuerwehr unterstützen die Wärmebildkameras das Aufspüren von Glutnestern bei Bränden sowie die Suche von Personen in verrauchten Gebäuden oder weitläufigem Gelände bei Dunkelheit“, so Feuerwehr-Landesrat Max Hiegelsberger und Landesfeuerwehrkommandant Dr. Wolfgang Kronsteiner.

Die ausgewählte Kamera mit Temperaturanzeige, drei Farbschemen, Laserpointer und einem 3,5‘‘Farb-Display wiegt nur rund 650g. Sie ist mit einer Hand zu bedienen und wird mit Schutzhülle, Ladegerät, Reserve Akkus, Trageband und Aufrollhalter geliefert. Mit ihrem Sensor (Auflösung 320×240 Pixel) erreicht die Kamera  NFPA-Standard. Die Schutzart ist IP 67 (Gehäuse ist staubdicht und schützt vor zeitweisem Untertauchen – 1 Meter 30 Minuten) und auf  die Akkus (mindestens 5000 Ladezyklen) werden 10 Jahre Garantie gewährt.
Das verfolgte Förderziel ist es, in den Jahren 2015-2017 in jedem Pflichtbereich, das heißt in jeder Gemeinde, eine Kamera für den Atemschutz-Erstangriff zur Verfügung zu haben. Die Förderung kann pro Pflichtbereich einmal in Anspruch genommen werden, ohne Berücksichtigung bereits vorhandener Wärmebildkameras, inklusive Stützpunktgeräte.
Die Verrechnung des Aktionspreises erfolgt direkt durch die Herstellerfirma an die Feuerwehr, die Kamera wird im Landesfeuerwehrkommando (LFK) durch die Atemschutzwerkstätte registriert, abnahmegeprüft und ausgegeben. Sollte eine Feuerwehr eine zusätzliche Kamera im Pflichtbereich ankaufen wollen, so besteht die Möglichkeit diese als Ergänzung anzukaufen, die Antragstellung und Abwicklung bleibt ident.

Förderablauf
Die Kamera hat einen Bruttopreis von € 3.582,20. Eine Kamera je Pflichtbereich kann zum Aktionspreis von € 2.000,- angeschafft werden. Den Differenzbetrag übernehmen gemäß bereits geführter Gespräche das LFK (Landesfeuerwehrverband) und das Land OÖ je zur Hälfte in Form einer Förderung.

Aufstellung der Jahres-Stückzahlen:

Jahr

2014

2015

2016

2017

Summe

Stück

40

200

120

80

440

Die Beschaffung kann nur zentral über das Landes-Feuerwehrkommando erfolgen.

Einsatzmöglichkeiten der Wärmebildkamera
Ihr Einsatz ist z.B. möglich zur Unterstützung bei…

  • der Suche und Rettung von Personen
  • der Lagebeurteilung und Brandwache
  • der Brandstellenbeurteilung
  • der Lokalisierung des Brandherdes
  • der Identifizierung von heißen Stellen
  • der Identifizierung potenzieller Flashover -Situationen
  • Gefahrstoffunfällen
  • Flächen-, Wald- und Buschbränden
  • Überwachungsaufgaben

Funktion einer Wärmebildkamera
Jeder Körper sendet Wärmestrahlung in unterschiedlicher Intensität aus. Diese Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung) ist für das menschliche Auge nicht sichtbar (zum Teil allerdings fühlbar), hat größere Wellenlänge als sichtbares Licht und durchdringt daher besser verrauchte Umgebung. Die Wärmebildkamera ist nun im Prinzip wie eine normale elektronische Kamera für sichtbares Licht aufgebaut. Die Sensoren fangen dieses infrarote Licht auf und wandeln die Impulse in für uns sichtbare Bilder um.
Bilder, die von Infrarotkameras erzeugt werden, liegen zunächst als Intensitätsinformation vor. Wärmebildkameras stellen diese üblicherweise in Graustufen dar, gängige Kameramodelle sind in der Lage, bis zu 256 (8 bit) Graustufen aufzulösen. Allerdings ist es für den menschlichen Betrachter nicht möglich, derart feine Graustufungen aufzulösen; es ist daher nützlich, Bilder in Falschfarben-Darstellung zu erzeugen, wozu fast alle Wärmebild-Kameras in der Lage sind. Der komplette sichtbare Farbraum des Auges bietet mehr Unterscheidung als reine (Grau-)Helligkeitsunterschiede.
Im so eingefärbten Bild ist die „Helligkeit“, die auf thermische Unterschiede hinweist, durch eine Änderung der angezeigten Farbe repräsentiert anstatt durch unterschiedliche Graustufen. Für die Einfärbung der Grauwert-Bilder stehen gewöhnlich verschiedene Farbschemata zur Verfügung.

Weiß-Heiß/white-hot:
Dabei wir die Stufigkeit reduziert, warme/heiße Bereiche in weiß und kalte Bereiche in schwarz dargestellt; dient häufig bei der Brandbekämpfung.
Hitzesucher/Hitzefinder/warm finder:
Der wärmste Bereich wird besonders dargestellt, eingefärbt (rot); dieser Modus dient häufig der Personensuche
Vollfarbmodus:
Hier werden die Farbunterschiede detaillierter dargestellt, der wärmste Teil des Bildes wird weiß, die Zwischentemperaturen werden in Gelb- und Rottönen und die dunklen (gleich kälteren) Teile des Bildes in Blau umgewandelt. Besonders im Gefahrstoffeinsatz, bei Füllstandsdetektion usw. macht sich die Erkennbarkeit von Temperaturunterscheiden sehr nützlich.
Der Einsatz von Wärmebildkameras ist wie schon dargestellt äußerst hilfreich und wirksam. Unterschiedlichste Szenarien setzen aber auch den richtigen Einsatz und die richtige Interpretation der Bilder voraus. Ausbildung hat daher auch hier, unter Nutzung der gegebenen Intuitivität des Gerätes, von hoher Bedeutung.

Oberösterreichischer Landes-Feuerwehrverband

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